Ein Schneemann will einmal einen Sommer erleben...

Warum die Sonne scheint, erklären uns Chemie und Physik. Warum der Wind weht, erklärt uns die Thermodynamik. Und warum wir den Wind auf der Haut fühlen, erklärt uns die Biologie. Aber wer kann uns erklären, warum wir einen Sonnenuntergang als schön empfinden und den Wind als angenehm, uns so angenehm?

Die objektive Wissenschaft wird uns das subjektive Erleben nicht ersetzen können.

Das subjektive Erleben wiederum lässt sich künstlerisch gestalten, und zwar so verschieden und gegensätzlich, wie die Künstler, die gestalten, nun einmal selbst sind. Ihr subjektiver Zugang vermag die Leute - Betrachter, Zuhörer, Publikum - darin bestärken, ihren je eigenen persönlichen Zugang zur Welt zu suchen. Gerade im Theater, denn hier ist der Ort und die Zeit, sich auf Handlungen, Charaktere, Gedanken, Worte, Farben, Materialien, auf alle Sinne, auch den siebten, einzulassen. Hier ist der Ort und die Zeit, fremdes Leben durchzuspielen wie das eigene. Ohne Hast und ohne Zwang.

Mein Theater ist nicht der Ort, meine Welt abzubilden, meine Weltanschauung zu vermitteln, mein Verhalten einzuüben. Mein Theater ist ein Ort, uns einander mit all unseren Freuden und Ängsten als gemeinsam Suchende und Fragende zu begegnen. Mein Theater will sich einlinigen, gar stromlinienförmigen Definitionen verwehren. Mein Theater will Erlebnis- und Assoziationsraum sein, sich des eigenen Verstands und Gefühls versichern. Es kennt phantasievolle ästhetische Überhöhungen, absurde Situationen, verrückte Menschen, vor allem aber Geschichten, die für Kinder und Erwachsene nicht dieselben Geschichten sind, Geschichten, die Kinder und Erwachsene zu ganz neuen unerhörten Geschichten herausfordern.

Ich möchte Spass, Scherz, Unsinn, Nonsens, Quatsch, Humbug, Blödsinn, Faxen, Mumpitz, Unfug, Heckmeck und Zirkus machen. Aber dabei und vor allem will ich Theater machen, das von den Problemen in der Welt handelt, die Erwachsene und Kinder gemeinsam haben, wobei wir gerade auch die Antworten der Kinder auf unsere Fragen brauchen.

Oder wissen Sie vielleicht, wieviel Zähne Graf Dracula hat?

(Wietershofer/Knorr)